Starseite

West Nile Virus beim Pferd

Das von Gelsen bzw. Stechmücken auf Mensch und Tiere übertragbare (und dadurch als Zoonose gelistete) Virus wurde bereits 1937 in Uganda im „West-Nile-District“ bei einem Menschen beschrieben. Seither hat es sich langsam aber doch weltweit verbreitet.
Inwieweit betrifft uns das West Nile Virus in Österreich und vor allem: was müssen wir im Bezug auf unsere Pferde darüber wissen und dagegen tun?

Das Virus

Es gibt verschieden Stämme des West Nile Virus (WNV), wovon die Linie 1 weltweit verbreitet ist und vor allem in den USA seit dem Jahr 1999 für viele erkrankte Menschen gesorgt hat. Die Linie 2 stammt ursprünglich aus Afrika und konnte 2004 erstmals in Europa (genauer in Ungarn) nachgewiesen werden.
Das Virus vermehrt sich in Stechmücken und Vögeln und sein Lebenszyklus ist auf diese beiden Spezies angewiesen. Überträgt eine Mücke das Virus auf Menschen, Pferde oder andere Säugetiere stellen diese einen sogenannten Fehlwirt dar. Das Virus kann sich in ihm nicht mehr weiterverbreiten, führt jedoch zu gewissen Krankheitserscheinungen bei einer Inkubationszeit von 2-14 Tagen.
Bei Menschen verläuft die Infektion zu 80% asymptomatisch oder mit nur leichten grippeähnlichen Symptomen. Kommt es zum „West Nile Fever“ mit neurologischen Ausfällen, geht dies mit einer Sterblichkeitsrate von 10% einher.
Wenn Pferde an der neuroinvasiven Form erkranken, verläuft diese jedoch bei 40% mit tödlichem Ausgang. Auftretende neurologische Symptome sind hier Ataxien (Gangbildstörungen), Lähmungserscheinungen bis hin zum Festliegen.

In Österreich wird das Auftreten des Virus im Zuge eines Überwachungsprogrammes bei Wildvögeln und Pferden kontrolliert. Klinische Fälle von Encephalomyelitis (zu denen WNV-Erkrankungen zählen) bei Pferden sind in Österreich anzeigepflichtig und im Zuge der Untersuchungen konnten bis 2017 fünf klinische Fälle von WNV nachgewiesen werden (jeweils Niederösterreich und Umgebung von Wien). In den letzten 15 Jahren traten in Italien, Ungarn, Frankreich, Griechenland, Protugal und Spanien klinische WNV-Fälle bei Pferden auf.

Therapie beim Pferd im Krankheitsfall

Wenn Pferde am WNV erkranken gibt es keine ursächliche Therapie, die das Virus direkt angreift oder bekämpft. Patienten können also nur symptomatisch behandelt werden, z.B. mit schmerzstillenden und fiebersenkenden Mitteln und Infusionen. Je nach Symptomatik, ist auf jeden Fall eine Versorgung in einer Klinik notwendig! Wie Symptome einer Encephalomyelitis aussehen, ist im folgenden Video zu sehen.

Das Pferd zeigt ein apathisches Verhalten, Lähmungserscheinungen der Gesichtsnerven, Nystagmus (horizontale Bewegung des Augapfels), Überreaktion auf Berührungen der Haut und Gangbildstörungen.

Welche prophylaktischen Maßnahmen gibt es?

Grundsätzlich ist es wichtig, eine Infektion durch Stechmücken zu vermeiden. Die Pferde mit Mückenschutz wie Fliegensprays und -decken zu versorgen und sie in der Dämmerungszeit aufzustallen, sind hierbei sinnvolle Maßnahmen.
Die Vermehrung der Mücken wiederum kann vermieden werden, indem man ihre Brutstätten – und zwar diverse Wasseransammlungen – vernichtet.

Quelle: https://www.ages.at/service/service-presse/pressemeldungen/west-nil-virus-situation-in-oesterreich/

Eine weitere effektive Maßnahme ist die Impfung gegen das West Nile Virus. Aufgrund der großen Anzahl an Erkrankungen ist die Impfung in den USA bereits Teil der Standardimpfungen. Die WNV Epidemie in den USA zeigte, dass geimpfte Pferde vor allem weniger schwer erkranken und deutlich mildere Symptome zeigten. Die Impfung selbst wird i.d.R. sehr gut vertragen. Die Grundimmunisierung ist mit zwei Impfungen im Abstand von 4-6 Wochen abgeschlossen und muss jährlich aufgefrischt werden.

Welche Pferde sollen geimpft werden?

In Österreich ist eine standardmäßige und flächendeckende Impfung aktuell (noch) nicht zu empfehlen, da momentan nur sporadische Fälle auftreten. In Ostösterreich wurden im Herbst des vergangenen Jahres 4 erkrankte Pferde bestätigt.
Pferde, die jedoch in bereits betroffenen Gebieten leben oder Pferde, die an Pferdesportveranstaltungen in betroffenen Gebieten teilnehmen, sollen gegen WNV geimpft werden!
In diesem Fall sollte die Grundimmunisierung vor Mai abgeschlossen sein, damit die Pferde bereits Antikörper gebildet haben bevor die Mückensaison beginnt. So sind dann Einzeltiere vor schweren Folgen durch eine WNV-Erkrankungen geschützt.

Für Fragen zum West Nile Virus oder zur Impfung bin ich gerne erreichbar!

Liebe Grüße,

Dipl. Tzt. Sophie Salomon