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Sommerekzem und Allergien beim Pferd

Mit den warmen Temperaturen beginnt für manche Pferde das alljährliche Jucken und Kratzen.
Was genau ist das lästige Sommerekzem eigentlich und was kann man dagegen tun?

Allergische Reaktionen können grundsätzlich durch viele verschiedene Substanzen ausgelöst werden. Dazu zählen Insekten, Futtermittel, Medikamente oder bestimmte Pflanzen auf der Weide. Die Symptome reichen von Schwellungen der Haut und Schleimhaut über gestörtes Allgemeinbefinden bis hin zu Atemwegsbeschwerden. Bei chronischen Allergien wie dem Sommerekzem stellt oft der ständige Juckreiz ein zentrales Problem dar. Die Pferde versuchen sich überall zu scheuern und leiden unter dem quälenden Jucken. Die oftmals komplett abgescheuerte Mähne und ein ausgefranster Schweif stellen nicht nur ein optisches Problem dar – sie fehlen zudem bei der Abwehr der lästigen Gelsen und Fliegen.


Junghengst mit Urtikaria (Nesselfieber), einer akuten allergischen Reaktion auf ein noch unbekanntes Allergen. Bei der Nesselfieber bilden sich erhabene Quaddeln, die Haut bleibt aber intakt.

Das Sommerekzem ist eine allergische Reaktion auf den Speichel der Mücken. Im Alter von 3-6 Jahren können erste Symptome auftreten und mit zunehmendem Alter fällt die Reaktion im Allgemeinen immer schlimmer aus. In den Wintermonaten erholen sich selbst stark betroffenen Pferde, weil die ursächlichen Mücken nicht aktiv sind.
Die typischen Stellen sind Mähne, Schweif, Unterbrust und -bauch wo Haarlosigkeit, Schuppenbildung, Krusten und Ausschwitzungen vorhanden sind. Der starke Juckreiz kann sogar zur Selbstverstümmelung führen.


Kahle Stellen, Hautverdickungen und stellenweise krustige Veränderungen sind Symptome beim Sommerekzem. Quelle: Horse and Hound

Diagnostik

Um den quälenden Juckreiz in den Griff zu bekommen muss man die Ursache erforschen. Dafür gibt es mehrere Wege:
Allergietests können verschiedene Allergene wie Gräser, Pollen, Insekten, Pilzsporen oder verschiedene Futtermittel ausschließen. Wenn somit die Ursache gefunden wurde kann dann z.B. eine Hyposensibilisierungstherapie begonnen werden.
Bei der Ausschlussdiagnostik wird der Patient über einen längeren Zeitraum von einem bestimmten Allergen (z.B. Mücken, Futtermittel) ferngehalten. Klingen die Symptome ab, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Ursache gefunden wurde. Wenn folgende Eckpunkte zutreffen, ist die Diagnose Sommerekzem sehr wahrscheinlich:
Die Pferde erholen sich in den Wintermonaten, die Symptome treten mit Beginn der Mückensaison wieder auf und ein Fernhalten der Mücken lindert wiederum die Symptomatik.

Therapiemöglichkeiten

Allergenvermeidung – also der Schutz vor den Stoffen, die eine Allergie auslösen – ist die wichtigste Maßnahme. Dadurch können oftmals notwendige medikamentöse Therapien am wirksamsten vermieden werden. Im Fall des Sommerekzem sind dies Ganzkörperdecken, Insektenabwehrmittel und das Aufstallen zu den Hauptflugzeiten der Insekten.

Zur medikamentösen Therapie zählt vor allem das Kortison als entzündungshemmende und juckreizstillende Substanz. Aber auch Histaminblocker, die auch von Personen mit Heuschnupfen verwendet werden, kommen in manchen Fällen zum Einsatz. Zusätzlich zu diesen systemischen Therapien können und sollen auch lokal anwendbare Produkte zum Einsatz kommen. Die Erfahrung zeigt, dass juckreizstillende, beruhigende Shampoos und Lotionen mit Haferextrakten eine gute Wirkung haben. Liegen bereits starke Hautveränderungen vor, muss man in jedem Fall eine regelmäßigen Wundbehandlung durchführen.

Eine oben schon erwähnte Therapie ist die ASIT-Therapie (Allergen-spezifische Immuntherapie), auch Hyposensibilisierung genannt. Basierend auf einem Allergietest wird das Immunsystem an steigende Allergen-Konzentrationen gewöhnt. Dabei wird die Zellantwort des Immunsystems moduliert, wodurch eine allergische Reaktion des Körpers vermindert werden kann.
Bei Pferden mit Sommerekzem sollte am besten am Ende der Mückensaison mit der Therapie begonnen werden. Vor Beginn der nächsten Weidesaison ist das Immunsystem des Pferdes dann optimal auf die „Insektenplage“ vorbereitet. Die Erfolgsquote der ASIT-Therapie liegt immerhin zwischen 70% und 80%!

Ein Impfstoff gegen Sommerekzem ist in Entwicklung!

An den Universitäten Bern und Zürich wird intensiv an einem Impfstoff gegen Insektenüberempfindlichkeit gearbeitet. Der Impfstoff bekämpft die Allergie-auslösenden eosinophilen Zellen indem es spezifische Entzündungsmarker (Interleukin 5) bindet. Von den 19 geimpften Pferden wurde der Impfstoff gut vertragen und die Hautläsionen waren um 50-75% weniger ausgeprägt als im Vorjahr. Die komplette Studie zum Download finden Sie unter folgendem Link. Es soll wohl nicht mehr lange dauern bis die Impfung erhältlich ist, ein genauer Zeitpunkt steht jedoch leider noch nicht fest.

Bei Fragen zum Thema Sommerekzem, Allergien o.ä. bin ich gerne jederzeit erreichbar!

Liebe Grüße,

Dipl. Tzt. Sophie Salomon